Die Grabungen Marktplatz 11

Aus AG Archäologie Fürth
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Erschienen im Altstadtbläddla 43 (2009/2010) von Thomas Werner (überarbeitete Fassung)

Die Untersuchungen im Ladenbereich dieses Anwesens wurden von Mai 2008 bis Februar 2009 von der AG Archäologie durchgeführt, in einer weiteren Kampagne vom BLfD im Juni 2009, weil die Hälfte des Gebäudes noch nicht auf den Hang zum Rednitzgrund gebaut worden war und daher sich eine große Fläche des alten Bodensubstrats erhalten hatte, das unbedingt zu dokumentieren war. Aus statischen Gründen konnte im Gebäude nur in bestimmten Bereichen die Untersuchungsschnitte tiefer gelegt werden. Insgesamt war aber ein Einblick in den stratigraphischen Aufbau des Untergrundes vom 17. bis 11. Jahrhundert möglich. Die Untersuchung des BLfD ergab sogar vorgeschichtliche Befundreste.

Aufgefundene Fundamentreste

Die aufgehende Wand von Nord-Ost- und Süd-Ost-Seite besteht aus Sandsteinquadern verschiedener Größe mit Ziegelmaterial als Niveauausgleich, dass für die Errichtung dieser sichtbaren Erdgeschosswände eine sekundäre Wiederverwendung angenommen werden kann. Daneben sind verschiedene Umbauten in den Wänden zu erkennen, von denen an der Marktplatzseite noch Rundbogenöffnungen (Fenster) zu erkennen sind, die entweder vollständig zugemauert oder durch eingebaute Rollladenhalterungen vollkommen entstellt sind aber wohl noch in die Zeit der Boener’schen Darstellung von 1704 zurückreichen.


Im Innern des Ladenraumes lassen sich Fundamentreste beobachten, die einerseits mit der gegenwärtigen Raumeinteilung in Zusammenhang stehen, andererseits aber auch auf frühere Aufteilung hinweisen, ja sogar auf einzelne Bauphasen schließen lassen. Der älteste Mauerzug, der aufgedeckt werden konnte, verläuft parallel zur Marktplatzseite im Abstand von 3,75 m zur Außenwand, der Grundstücksgrenze, mit fünf Sandsteinen im Nord-West-Profil von Schnitt 1 und 4 und einem verstürzten in Schnitt 1. Eine Anbindung an die Grundstücksgrenze zur Angerstraße lässt sich nicht nachweisen. Auch das Alter bleibt unbekannt. Nur soviel ist zu sagen, dass durch die stratigraphische Lage eine Bauzeit spätestens im 16. Jahrhundert angenommen werden kann. Am Fuß des nordöstlichsten Quaders, in der Nordecke von Schnitt 1 verrät eine Brandschicht aus rotgebranntem Lehm mit Holzkohleneinlagerungen, dass das zugehörige Gebäude durch Brand niedergegangen ist. Die Funktion dieser Mauer und ihre Bedeutung in einem früheren Bauwerk bleibt ungeklärt, belegt aber, dass vor der Errichtung des ersten bekannten historischen Gebäudes auf diesem Grundstück bereits ein Bauwerk mit Sandsteinfundament existiert hat. Zu den Ausmaßen kann leider nichts ausgesagt werden. Vorausgesetzt, dass die damalige Grundstücksgrenze mit der heutigen übereinstimmte, war das Gebäude wie schon gesagt mit 3,75 m hinter die Grenze gebaut, dass eine Art Vorgarten zum Marktplatz hin angenommen werden kann. Dazu passt die Beobachtung von pyramidal endenden Löchern von 7 – 8 cm Durchmesser in Schnitt 1, die keine Tiergänge gewesen sein können und mit überliegenden Material gefüllt waren. Ihre versetzte Anordnung in einer generellen Nord-Süd-Ausrichtung lassen an Stecken für einen Flechtwerkzaun denken, der die heutige Ostecke des Grundstücks zum Bereich Angerstraße schräg abgegrenzt hätte.

Wirtschaft „Zur Sorg“

Abb 1 Unterzugsbalken

Die 1605 erbaute Gaststätte „Wirtschaft zur Sorg“ hat keine erkennbaren Fundamentmauern hinterlassen. Die Frage, ob das Gebäude wie heute auf die Grundstücksgrenze gesetzt wurde, ist auch nicht einfach zu beantworten. Der dieser Wirtschaft zugeordnete Lehmfußboden, der in den Schnitten 1, 3 und 4 beobachtet werden konnte, ist im Bereich der Ostecke des Gebäudes flächig freigelegt worden. Er breitet sich aber nicht bis an die Außenmauern der Nord-Ost- und Süd-Ost-Seite aus, sondern endet im Abstand von 20 – 30 cm davor, dass der restliche Bereich wie eine Baugrube zur heutigen Außenmauer anmutet, die zum Setzen der Sandsteinquader den restlichen Lehmboden abgetragen haben könnte. Leider gibt es keine datierbaren Funde aus dieser Anschüttung, nur ein im gleichen Niveau abgetragener Sockelstein in der Ostecke des Gebäudes lässt die Vermutung zu, dass die später aufgelegten Fußbodendielen, die für eine weitere Ausbauphase stehen, bis an die Außenwand herangereicht haben. Die Profilansicht dieses Lehmbodens lässt erkennen, dass er mehrfach ausgebessert wurde. Hierin ist wohl die Ursache zu suchen, dass man sich entschlossen hat, diesen Boden mit Holzdielen abzudecken, die teilweise auch mit Sand unterfüttert waren. Dazu ist ein völlig vergangener Unterzugsbalken (Abb. 1) - nur noch an seinen Lagespuren zu erkennen - und die Reste eines zweiten aufgefunden worden, die man in den Lehmboden eingetieft verlegt hatte und so noch drei Verlegereihen rekonstruiert werden können. Der Abstand der Mittelachsen dieser Unterzüge beträgt 1,31 m im Bereich vor der Außenwand zur Angerstraße, dass mit dieser Abmessung die Verwendung einer alten Nürnberger Maßeinheit nachweisbar ist. Die verlegten Dielen waren auf eine Länge von zwei Nürnberger Ellen (1 Nürnbg. Elle = 65,82 cm) zurechtgeschnitten. Ihre jeweilige Breite bleibt unbekannt, muss aber, wie an einem freipräparierten Stück in Schnitt 4 sichtbar ist, teilweise größer als 40 cm gewesen sein (Abb. 1). Dazu kann bemerkt werden, dass nach einem alten ca. 150 Jahre später entstandenen Gemälde (Karl Kaspar Pitz: Werber in der Schenke, 1783, Alte Pinakothek, München) auch versetzt verlegt wurde und die Dielen unterschiedliche Breite haben können. Dass sie aber erst so spät wie auf dem Bild verlegt worden sind, ist dadurch auszuschließen, dass über dem völlig verkohlten Dielenboden eine Bauschuttschicht aufliegt, die ausschließlich Keramikmaterial des 17. Jahrhunderts enthält. Es ist natürlich verlockend hier an die Brandzerstörung des 30-jährigen Krieges 1634 zu denken. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass das Gebäude durch jede andere Brandkatastrophe im Verlauf dieses Jahrhunderts auch zerstört worden sein kann.

Wiederaufbau nach dem 30jährigen Krieg

Abb. 2 Marktplatz 11 Rekonstruktionszeichnung

Die Stärke dieses Brandschuttes betrug teilweise mehr als 70 cm und scheint für den Wiederaufbau eingeebnet zu sein, dass er gleichzeitig auch als Fundament für einen Mauerzug gedient hat, der sich im Innern im Abstand von 6 m ca. 7 m parallel zur Marktplatzseite erstreckte, rechtwinklig nach Nordwesten umbog, um nach 1,75 m noch einmal im rechten Winkel nach Südwest zu verlaufen und damit Rücksicht auf den nordwestlich anschließenden Kellerabgang nahm. Der Mauerzug endete mit einem Sockelstein für eine Säule, die das Ende eines Deckenbalkens zu tragen hatte, auf dem in der Verlängerung über die Marktplatzwand hinaus der Erker im 1. OG aufgesetzt war. Auch das andere Ende dieser Fundamentmauer reichte über die ehemalige Südwestwand des Gebäudes hinaus und diente als Fundament für die Mittelsäule der Wendeltreppe im achteckigen Treppenturm. Erker und Treppenturm sind architektonisch über dieses Fundament miteinander verbunden, dass ihnen eine gewisse Gleichzeitigkeit nicht abgesprochen werden kann und sie Bestandteil des 1. Gebäudes des Wiederaufbaus nach dem 30jährigen Krieg sind (Abb. 2).

Ältere Funde und Befunde

Abb. 3 Steinsetzung
Abb.4 Metallobjekte

Aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert lassen sich leider keine zusammenhängende Befunde zur Bebauungsgeschichte des Grundstücks feststellen. Dazu war der Ausschnitt unserer Untersuchungsflächen zu klein. Dennoch lässt sich eine Steinsetzung beschreiben (Abb. 3), die gleich neben einem Wandgräbchen, das von Ost nach West verlief, aufgefunden worden war. Die Zwischenräume der Steine sind mit getrocknetem Lehm ausgekleidet, dass sich hier die Bodenplatte eines abgerissenen kleinen Kuppelofens erhalten zu haben scheint. Eine bessere Ansprache ist leider nicht möglich. Darüber entdeckte Metallfunde (Abb. 4) und Scherben eines Topfes deuten darauf hin, dass sie zeitlich älter als die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts anzusetzen ist. Ganz im Osten unserer Grabungsfläche wurde ein Laufhorizont aufgedeckt, der ausschließlich Keramik des 11. Jahrhunderts enthielt. Ob zu diesem Zeitpunkt das Grundstück bereits bebaut war, lässt sich nicht mehr sagen.