Jahresbericht der AG Archäologie für das Jahr 2016

Aus AG Archäologie Fürth
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Erschienen im Altstadtbläddla 50 (2016/2017) S. 32 - 33 von Thomas Werner

Die Fortführung im Bereich der Archivalienregistrierung hat mit einem Computerprogramm zur Neugestaltung der Beschritung unserer Kartons geführt. Diese Arbeit ist sehr zeitraubend, weil die Inhalte der Archivnummern, der so genannten AAF-Nrn. (Arbeitsgruppe Archäologie Fürth), nach der Häuigkeit der begangenen Fundplätze neu erfasst werden. Damit lässt sich das Fundaukommen bei den einzelnen Fundstellenbesuchen genau bestimmen oder feststellen, ob die Stelle sich weiter ausdehnt als beim ersten Mal erkannt wurde. Die Neubeschritung wird so vorgenommen, dass der Karton umgedreht wird und die alte Beschritung nunmehr auf der Rückseite zu inden ist.Am 17. März konnte unser Vortragsthema über die Wurzeln Fürths, wie es im vergangenen Jahr zu den Stadtverführungen vorgetragen wurde, im Rahmen eines VHS-Vortrages nochmals aufgegrifen werden, was mit einer lebhaten Diskussion begleitet war. Die Kursteilnehmer laden sich zu bestimmten hemen entsprechende Referenten ein, mit denen wir diesmal Archäologie in der Stadt vorstellen und damit behatete Probleme erläutern konnten.

Abb. 1 Pfahlschuh an einem Eichenpfahl aus dem Bereich der U-Bahn-Baustelle an der Maxbrücke. Foto Werner

Abb. 1 Pfahlschuh an einem Eichen-
pfahl aus dem Bereich der U-Bahn-
Baustelle an der Maxbrücke.

Foto Werner

Abb. 2 Jahrringscheibe des selben Eichenpfahls. Der hellere Saum wird als Splintholz bezeichnet. Foto Werner

Abb. 2 Jahrringscheibe des selben
Eichenpfahls. Der hellere Saum wird als
Splintholz bezeichnet.

Foto Werner

Abb. 3 Kurve der Jahrringbreiten nach der Einpassung in die Eichen-Standard-Chronologie. Grafik: Jahrringlabor Hofmann, Nürtingen.

Abb. 3 Kurve der Jahrringbreiten nach der
Einpassung in die Eichen-Standard-
Chronologie.

Grafik: Jahrringlabor Hofmann, Nürtingen

Als besonderes Ereignis haben wir bei der Archivierung einen Holzpfahl mit Eisenbewehrung an der Spitze aussortiert (Abb. 1), weil die Pfahlschuhgestaltung vom Schmied in einer Form angepasst worden war, wie wir sie von römischen Brückenpfeilern kennen. Beispiele gibt es genug in der Literatur und wir wollten wissen, wie alt unser Brückenpfahl tatsächlich ist. Er wurde Mitte der 90er Jahre beim U-Bahn-Bau im Bereich der Maxbrücke ausgebaggert und beindet sich seit der Jahresausstellung von 2007 in unseren Räumen im Archiv. Zur Jahrringbestimmung haben wir eine Scheibe abgesägt und ins Dendrochronologische Labor Hofmann nach Nürtingen eingesandt. Die Kosten hat der Altstadtverein übernommen. Das analytische Ergebnis hat eigentlich nichts Aufregendes erbracht, dennoch ist ein kleiner Teil der Brückengeschichte deutlich geworden. Der untersuchte Pfahlquerschnitt wies noch 94 Jahringe auf, acht davon zählten zum so genannten Splintholt, das bei Eichenhölzern (wie bei unserem Pfahl) in der Regel zehn bis 30 Jahrringe umfasst, bis die Waldkante das Ende des Wachstums zu erkennen gibt, der Baum entsprechend gefällt wurde. Die Waldkante war bei unserem Exemplar (Abb. 2) nicht mehr vorhanden, sodass das Fälldatum durch Schätzung eingegrenzt werden musste. Der letzte Splintring wurde 1821 gebildet, sodass das frühest mögliche Fälldatum auf 1823 (acht vorhandene Ringe + zwei nicht vorhandene Ringe), das spätest mögliche Fälldatum auf 1843 (acht vorhandene Ringe + 22 nicht vorhandene Ringe) bestimmt werden konnte. Bei der dendrochronologischen Methode werden die vorhandenen Jahrringe von ihrer Stärke her in 1/100 mm gemessen (Abb. 3) und mit der Eichen-Standardchronologie von Mitteleuropa synchronisiert, die bis ins 7. vorchristliche Jahrtausend ziemlich sicher die Jahrringentwicklung erfasst und bei einer Synchronisation eine Holzprobe jahrgenau bestimmen kann.Für unseren bewehrten Pfahl bedeutet das, dass er frühestens nach 1823, spätestens nach 1843 verbaut worden sein kann. Dabei ist nicht mehr zu ermitteln, ob er einmal zur Konstruktion der Rednitzbrücke oder der so genannten Sauweiherbrücke gehört hat. Die historischen Belege zeigen, dass nach dem Urkataster von 1822 die Rednitzbrücke noch als Holzbrücke eingezeichnet ist, wahrscheinlich die, wie sie auf der „Voigt’schen Ansicht von der Schiesanger Seite 1809“ zu sehen ist (Altstadtbläddla 41, 2007, Abb. S. 68). Auf der Lithographie von Gustav Wilhelm Kraus um 1826 wird ein Blick von der Schwand auf Fürth geworfen. Im Hintergrund hinter dem Gehöt Manert im Wiesengrund ist die Rednitzbrücke als Steinbrücke mit einem steinernen Rundbogen und einem geraden Brückenpfeiler zu erkennen. Wenn der Pfahl zur Rednitzbrücke gehört hat, zeigt das frühest mögliche Fälldatum an, dass kurz vor der Errichtung der Steinbrücke an der Holzbrücke noch Ausbesserungsarbeiten vorgenommen worden sind. Wir hätten es also kurz nach der Erhebung Fürths zur selbständigen Stadt 1818 mit einer regen Brückenbautätigkeit an der Rednitz zu tun. Für den Fall, dass der Pfahl zur Sauweiherbrücke gehört hat, wird deutlich, dass sie zwischen 1823 und 1843 auf jeden Fall noch eine Holzbrücke war, an die sich ein hoher Erddamm an der Stelle der heutigen Flutbrücke bis zur anderen Talseite anschloss.