Jahresbericht der AG Archäologie 2005

Aus AG Archäologie Fürth
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Erschienen im Altstadtbläddla 40 (2005/2006) von Thomas Werner (überarbeitete Fassung)

Nach den Durchbrucharbeiten im Souterrain des Südflügels vom Rathaus und der Umleitung von Wasser-, Gas- und Elektroleitungen (Abb.1) konnten die Renovierungsarbeiten in dem neuen Zugewinn abgeschlossen werden. Nachdem auch die ausgediente Schreddermaschine für Altpapier in diesem Raum entsorgt war, hatten wir genug Platz, um Materialien für unser Ausstellungsprojekt 2007 zu lagern. Dazu gehört vor allem eine Sammlung von Glasröhren unterschiedlicher Längen und Durchmesser, die uns von der Kreissparkasse Langenzenn am 25. April zur Verfügung gestellt worden sind und sich in unser Ausstellungskonzept in Form von Schaumodulen gut einbauen lassen.


Am 14.2.05 hat Herr cand. phil. P. Honig von der Universität Bamberg Interesse an unseren Funden aus den Grabungen am Wasserwerk Mannhof aus den Jahren 2002 und 2003 (siehe Altstadtbläddla Nr. 37 u. 38) gezeigt. Er hatte selbst dort seit 1992 Feldbegehungen mit unserem verstorbenen Mitglied Eugen Schneider durchgeführt und sucht nun Material für eine wissenschaftliche Arbeit über die späte Bronzezeit. Leider befand er unsere Funde, die hauptsächlich in die Urnenfelderzeit zu datieren sind, als zu jung, dass eine wissenschaftliche Bewertung unserer Befunde und Funde weiterhin offen bleibt. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass ein Mitarbeiter im Wasserwerk seit Jahren ebenfalls dort Scherben vom Acker aufgesammelt und dieses Fundmaterial nun in unserem Keller abgeliefert hat. Herausragendes Fundstück dieser Sammlung ist eine stabförmige, im Querschnitt 5-kantige Glasperle (Abb.2), die sich zeitlich bisher noch nicht einordnen ließ. Wenn sie aber durch Vergleichsfunde in den Zusammenhang mit der urnenfelderzeitlichen Fundstelle gebracht werden kann, käme dies einer kleinen Sensation gleich. Aber auch als mittelalterlicher Einzelfund wäre die handgemachte Perle ein besonderes Schmuckstück.


Das Interesse an unseren Funden (Sachaltertümern) bietet aber noch eine weitere Form der Öffentlichkeitsarbeit. Im März nahm Frau Heinig, Lehramtsanwärterin in der Grundschule Seeackerstraße, Kontakt mit uns auf. In ihrer letzten Lehrprobe wollte sie einen Teil der frühen Fürther Ortsgeschichte behandeln und dabei reale Gegenstände als Sachquellen im Unterricht verwenden, da die Kinder handlungsorientiert mit Originalen die Geschichte erarbeiten sollten. Sie nutzte also die Gelegenheit, um einen technologischen Entwicklungsschritt in der Keramik aufzuzeigen, indem sie den Unterschied zwischen handgeformten romanischen Töpfen und frühgotischer Scheibenware anhand der Gefäß- und Randprofile den Kindern erklärte und damit auch beim Prüfungspersonal Anerkennung erntete.


Leider mussten wir für dieses Jahr einer Teilnahme an der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am 22. 10 2005 absagen. Herr Thomas Jaik vom Veranstalter Kulturidee GmbH hatte bereits im Februar nachgefragt, ob wir uns beteiligen würden, doch hat uns aus terminlichen Gründen dafür die Vorbereitungszeit gefehlt. Wir haben ihn auf unser Jubiläumsjahr 2007 vertröstet, weil wir uns vorstellen können, dass unsere Jahresausstellung in der Freibank in diese Veranstaltung viel besser einbezogen werden kann.


Das Jahr 2007 wirft generell seine Strahlen voraus. So hatte Michael Gottwald im März Gelegenheit, unsere Funde aus der Grabung in Dottenheim von letztem Jahr (vgl. Altstadtbläddla Nr. 39) dem zur Zeit besten Kenner der germanischen Kulturen während der Römischen Kaiserzeit, Herrn Dr. Bernd Steidl, in München vorzustellen. Die gewonnenen Erkenntnisse boten dann aber doch eine Überraschung. Herr Dr. Steidl hatte aufgrund von mehreren Oberflächenfunden im oberen Aischtal schon länger die Vermutung gehegt, dass sich die Keramik aus der Siedlungskammer um Bad Windsheim vom mainfränkischen Kernbereich unterscheidet. Mit den Befunden und Funden von Dottenheim kristallisiert sich nun immer mehr eine – bislang völlig unbekannte – germanische Siedlungsgruppe der mittleren Römischen Kaiserzeit heraus, wodurch das Siedlungsbild im Vorfeld des Limes um einige wichtige Aspekte ergänzt wird. Diese Erkenntnis wird Herr Dr. Steidl zum 25-jährigen Bestehen der Gesellschaft für Archäologie in Bayern vorstellen und auch beim geplanten Archäologentag 2007 in Fürth diese Thematik zur Sprache bringen. Dabei lässt das gefundene Material mit Importkeramik aus dem Rhein-Main-Gebiet und Terra Sigillata aus dem südgallischen Raum weitreichende Handelsbeziehungen der ansässigen Bevölkerung erkennen.


Mit den sich immer aufwendiger gestaltenden Arbeiten im Archäologen-Keller im Bereich der Dokumentation, der Archivierung aber auch in der Planung für 2007 konnte unsere antiquierte EDV-Anlage nicht mehr mithalten. Daher waren wir gefordert, uns nach Mitteln für eine entsprechende Modernisierung umzutun. Glücklicherweise fanden wir im Rahmen der Kulturförderung der Sparkasse Fürth einen geeigneten Sponsor, der sich mit einer Geldspende an diesem Projekt beteiligt hat. Für ihr Entgegenkommen ist besonders Herrn Rainer Heller und dem gesamten Vorstand der Sparkasse Fürth zu danken. Die restlichen Mittel hat der Altstadtverein bewilligt, so dass wir nun in unserer Vorbereitungsphase für 2007 gut gerüstet sind.


Um zu klären, ob generell die ehrenamtlichen Tätigkeit der Arbeitsgruppe im Rahmen der öffentlichen Förderung von kulturellen Veranstaltungen und Institutionen berücksichtigt werden kann, haben sich am 13.7.2005 Herr Dr. Scharinger vom Referat IV – Soziales, Jugend und Kultur sowie Kulturamtsleiterin Frau Floritz von städtischer Seite mit Herrn Dr. Mayer vom Altstadtverein und Thomas Werner als Sprecher der AG Archäologie zusammengesetzt, um die Situation zu erörtern. Frau Floritz machte deutlich, dass eine Förderung nur im Rahmen bestimmter Projekte möglich ist. Auf unser Argument, dass Fürth gerne die Bezeichnung Denkmalstadt führt, ihr aber der Bereich Bodendenkmalpflege völlig fremd sei, versprach Herr Dr. Scharinger, sich dafür einzusetzen, dass die Bodendenkmalpflege in die Gebäudedenkmalpflege integriert und auch ein angemessener Etat zur Verfügung gestellt wird. Durch chronischen Geldmangel im Stadtsäckel wird unser Anliegen aber höchstwahrscheinlich im Sande versickern, dass sich erweisen muss, ob die Bodendenkmalpflege bzw. Stadtarchäologie in Fürth eine Rolle spielen wird oder nicht.


Unser Engagement am Tag des Offenen Denkmals führte in diesem Jahr hinaus aufs Land. Wichtig ist uns, innerhalb dieser Veranstaltungsreihe auf Denkmalgruppen aufmerksam zu machen, die sonst nur am Rande in Erscheinung treten. Diesmal ging es um das Geländedenkmal, das neben den Bodendenkmalen ein ebenso stiefmütterliches Dasein führt, besonders dann, wenn es sich auf privaten Grundbesitz befindet. Bei unserem Projekt „Schauerburg“ ist die Gefährdung dadurch gekennzeichnet, dass – obwohl in der gesamten Umgebung diese Stelle gewissermaßen „verehrt“ wird – der Grundeigentümer es zulässt, dass in dem Gelände Übungen für Moto-Cross-Veranstaltungen durchgeführt werden. Die hierauf eingetretene Erosion ist deutlich zu erkennen so dass wir mit verschiedenen Vermessungstechniken versuchen, diesen Zerfallsprozess zu dokumentieren, damit die staatliche Denkmalpflege Belege in die Hand bekommt, dass Boden- und Geländedenkmale unter Waldbestand nicht automatisch geschützt sind (siehe separaten Bericht). In bewährter Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Emskirchen haben wir den Tag vorbereitet und dann mit Führungen durchs Gelände und Erläuterungen zur geomagnetischen Prospektionsmethode dem Publikum ein interessantes Programm geboten. Nebenbei fanden Vorführungen zum mittelalterlichen Spinnen und Weben am Gewichtswebstuhl sowie an unserer selbst gebauten Knochenschnitzer-Drehbank statt. Dazu gab es Grillwürstchen und Getränke, dass mit mehr als 300 Besuchern der Tag ziemlich erfolgreich verlief. Der Erfolg wurde auch dadurch unterstrichen, dass das Ehepaar Wagner vom Heimatverein Emskirchen für das Lehrerkollegium von drei Emskirchener Schulen einen weiteren Termin am 20. Oktober vereinbarte, um Führungsaspekte in die Hand zu bekommen, weil die „Schauerburg“ im Rahmen des Heimat- und Sachkunde-Unterrichts häufig aufgesucht wird. Mit ca. 30 Personen war auch dieser Termin eine gelungene Veranstaltung.

Am 14.10.05 fand ein Treffen des Vereins nichtstaatlicher Archäologen e.V. in Markt Erlbach statt. Herr Krauß vom Vorstand hatte uns als jüngstes Mitglied gebeten, daran teilzunehmen um unsere Arbeit vorzustellen. Auf der Tagesordnung standen die Ausgrabungen in Zennhausen durch Herrn Dr. Vychitil, die Aktivitäten der AG Archäologie Fürth über die Untersuchungen „Lochnersches Gartenhaus“ und „Schauerburg“ sowie eine Hohlwege-Analyse von M. Held und die Rettungsgrabung in der Markt Erlbacher Waaggasse durch Herrn Krauß. Für die Zahl der eingetroffenen Teilnehmer waren die Räumlichkeiten im Mark Erlbacher Heimatmuseum verhältnismäßig eng bemessen, aber es tat gut mit gleichgesinnten Personen zusammen zu treffen und zu diskutieren.

Grabungen 2005

Die Grabungsaktivitäten in diesem Jahr beschränkten sich auf zwei Stellen in der Altstadt und erbrachten den Beweis wie wichtig es ist, bei anstehenden Haussanierungen eine archäologische Untersuchung durchzuführen. Vom 11.4. bis 13.6.2005 war die Arbeitsgruppe jeweils montags im Anwesen Schindelgasse 4 tätig, um vor den anstehenden Sanierungsmaßnahmen im Erdgeschoss einen Einblick in die unterliegende Bodenstruktur zu gewinnen, bevor weiterreichende Eingriffe letzte historische Spuren beseitigen. Dabei stellte sich heraus, dass das Gebäude mehrere Umbauphasen erfahren hat. Das in den Denkmallisten aufgeführte Sandsteingebäude besitzt nur eine vorgesetzte Sandsteinfassade. Der dahinter bestehende Fachwerkbau war ursprünglich schmaler und wurde dann in mindestens 3 Bauphasen in südlicher Richtung, dem einstigen Hofbereich, erweitert. Die ehemalige erste Südwand des Gebäudes, die in Ost-West-Richtung unter den Dielen des Raumes E 1 wiederentdeckt wurde (Abb.3), muss den Funden nach im 18. Jahrhundert abgebrochen gewesen sein. An diese Südwand war ein Holzständerbau (Schupfen) angebaut, von dem noch 5 Pfostenspuren im Sand nachzuweisen waren. Einer der Pfosten war offensichtlich so angefault, das er mit einer runden Säulenpolie unterfangen werden musste. Diese Säulenpolie wurde dann bei der südlichen Gebäudeerweiterung in das zugehörige Fundament integriert. Bei der Errichtung des Schupfens wurde bereits soviel Boden abgetragen, dass darunter nur noch steriler Sandboden angetroffen wurde. Anders war dagegen die Situation im südlich angrenzenden Raum E 4. Hier wurde nach Abtrag jüngerer Verfüllschichten noch ein 10 cm dicker mittelalterlicher Kulturhorizont angetroffen, der stark fragmentierte romanische Keramik enthielt. Festzuhalten bleibt, dass ein dem Anwesen zugeordneter Hofraum im Süden, der nicht bebaut war, nach dem 30-jährigen Krieg allmählich durch Hauserweiterungen zugebaut wurde.


Die zweite archäologische Untersuchung fand vom 13. Juni bis 26. September hinter dem Jüdischen Museum statt (Abb.4), um unsere Erkenntnisse aus dem Jahr 2000 zu ergänzen. Obwohl 2/3 der Untersuchungsfläche durch jüngere Bodeneingriffe völlig zerstört war, konnten im Nordwestbereich der Grabungsfläche zwei mittelalterliche Befunde, ein Wandgräbchen und ein Pfostenloch, aufgedeckt werden, in denen natürlich auch die datierende Keramik zum Vorschein kam. Erwähnenswert ist eine Wandscherbe, die durch ihre organische Magerung sogar vorgeschichtlichen Charakter besitzt.